Kur- und Ba­de­ärz­te in Nordrhein-Westfalen

Be­deu­tung und Auf­ga­ben von Kur- und Badeärzten 

Die Be­griffs­be­stim­mun­gen des Deut­schen Heil­bä­der­ver­ban­des de­fi­nie­ren Heil­bä­der und Kur­or­te als Ge­sund­heits­stand­or­te, an de­nen na­tür­li­che Heil­mit­tel, na­tür­li­che Kur­fak­to­ren oder wis­sen­schaft­lich an­er­kann­te Heil­ver­fah­ren un­ter fach­kun­di­ger me­di­zi­ni­scher Be­glei­tung an­ge­wen­det wer­den. Ba­de­ärz­te tra­gen dazu bei, die Qua­li­tät, Si­cher­heit und Wirk­sam­keit die­ser Ge­sund­heits­an­ge­bo­te zu ge­währ­leis­ten und die be­son­de­re ge­sund­heit­li­che Kom­pe­tenz der Kur­or­te sicht­bar zu machen.

Sie bie­ten die qua­li­fi­zier­te ärzt­li­che Be­treu­ung der Pa­ti­en­tin­nen und Pa­ti­en­ten im Rah­men von am­bu­lan­ten Vor­sor­ge­leis­tun­gen in an­er­kann­ten Kur­or­ten (§ 23 Abs. 2 SGB V). Die ku­ra­ti­ven und prä­ven­ti­ven Ver­ord­nun­gen vor Ort rich­ten sich nach dem in­di­vi­du­el­len Ge­sund­heits­bild der Pa­ti­en­ten und be­zie­hen die na­tür­li­chen Heil­mit­tel des je­wei­li­gen Kur­or­tes so­wie die an­er­kann­ten kur­me­di­zi­ni­schen Ver­fah­ren ein.

Die staat­lich an­er­kann­ten Heil­bä­der und Kur­or­te in Nord­rhein-West­fa­len un­ter­lie­gen den Vor­ga­ben des Kur­or­te­ge­set­zes NRW (KOG NRW). Je nach Prä­di­kat be­stehen ge­setz­li­che An­for­de­run­gen an die me­di­zi­ni­sche und ku­r­ört­li­che In­fra­struk­tur. Ins­be­son­de­re für Prä­di­ka­te wie Heil­bad, Kneipp-Heil­bad oder Heil­kli­ma­ti­scher Kur­ort ist das Vor­han­den­sein kur­ärzt­li­cher be­zie­hungs­wei­se ba­de­ärzt­li­cher Kom­pe­tenz eine zwin­gen­de Vor­aus­set­zung für die An­er­ken­nung und den Er­halt des Prädikats.

Vie­le Heil­bä­der und Kur­or­te ste­hen ak­tu­ell vor der Auf­ga­be, die kur­ärzt­li­che Ver­sor­gung für die Zu­kunft zu si­chern. Der Ge­ne­ra­tio­nen­wech­sel bei den Kur- und Ba­de­ärz­ten hat be­reits be­gon­nen, gleich­zei­tig wird die Ge­win­nung qua­li­fi­zier­ter Ärz­tin­nen und Ärz­te zu­neh­mend schwie­ri­ger. Der Nord­rhein-West­fä­li­sche Heil­bä­der­ver­band möch­te Kom­mu­nen und Kur­ver­wal­tun­gen da­her mit die­sen In­for­ma­tio­nen un­ter­stüt­zen und pra­xis­na­he Hin­wei­se zur Ge­win­nung und Bin­dung von Kur- und Ba­de­ärz­ten geben.

Tipps für Kom­mu­nen zur An­spra­che neu­er Kur- und Badeärzte

  • Ak­ti­ve An­spra­che in­ter­es­sier­ter Ärz­tin­nen und Ärz­te so­wie früh­zei­ti­ge Nachfolgeplanung.
  • Früh­zei­ti­ge Vor­be­rei­tung des an­ste­hen­den Ge­ne­ra­tio­nen­wech­sels bei den der­zeit tä­ti­gen Kur- und Badeärzten.
  • Kom­mu­na­le Un­ter­stüt­zung beim Er­werb der Zu­satz­wei­ter­bil­dung „Bal­neo­lo­gie und Me­di­zi­ni­sche Kli­ma­to­lo­gie“, z. B. durch Über­nah­me von Kurs-, Rei­se- und Unterkunftskosten.
  • Kom­mu­na­le Fi­nan­zie­rung der Wei­ter­bil­dung wäh­rend ei­ner An­stel­lung, um Ein­kom­mens­ein­bu­ßen zu vermeiden.
  • Nut­zung fle­xi­bler Ver­sor­gungs­mo­del­le, z. B. An­stel­lungs­lö­sun­gen, Pra­xis­ge­mein­schaf­ten oder Filialpraxen.
  • Enge Zu­sam­men­ar­beit zwi­schen Kom­mu­ne, Kur­ver­wal­tung, Ärz­te­schaft und wei­te­ren Gesundheitsakteuren.
  • Schaf­fung at­trak­ti­ver Rah­men­be­din­gun­gen für Nie­der­las­sung, Pra­xis­über­nah­me und Familienleben.

Kräuterspirale am Gradierwerk in Bad Westernkotten

Pra­xis­bei­spiel

Die Kom­mu­ne schließt mit dem Kur- bzw. Ba­de­arzt eine Ver­ein­ba­rung über die re­gel­mä­ßi­ge Durch­füh­rung ge­sund­heits­be­zo­ge­ner Vor­trä­ge. Das Ho­no­rar für die Vor­trä­ge wird von der Kom­mu­ne ge­tra­gen.
Die Ver­an­stal­tun­gen ste­hen Gäs­ten und Ein­woh­nern kos­ten­los oder ge­gen ei­nen ge­rin­gen Kos­ten­bei­trag of­fen. Der Kur- und Ba­de­arzt wird da­durch als me­di­zi­ni­scher An­sprech­part­ner im Ort sicht­bar und in das öf­fent­li­che Ge­sund­heits­an­ge­bot ein­ge­bun­den.
Gleich­zei­tig pro­fi­tie­ren Kur­ort, Gäs­te und Be­völ­ke­rung von ei­ner nied­rig­schwel­li­gen Ge­sund­heits­in­for­ma­ti­on und Präventionsarbeit.


Wei­ter­füh­ren­de In­for­ma­tio­nen zur Aus­bil­dung der Kur- und Badeärzte

Vor­aus­set­zun­gen zur Teil­nah­me am Kurarztvertrag

  • Teil­nah­me­be­rech­tigt am Kur­arzt­ver­trag sind Ver­trags­ärz­te, an­ge­stell­te Ärz­te in Arzt­pra­xen oder Me­di­zi­ni­schen Ver­sor­gungs­zen­tren (MVZ) und un­ter be­stimm­ten Be­din­gun­gen auch Kli­nik­ärz­te. Die Pra­xis oder Tä­tig­keit be­fin­det sich in der Re­gel im je­wei­li­gen Kurort.

  • Vor­aus­set­zung für die An­er­ken­nung als Kur­arzt im Sin­ne des Kur­arzt­ver­tra­ges ist der Nach­weis der Zu­satz-Wei­ter­bil­dung „Bal­neo­lo­gie und Me­di­zi­ni­sche Kli­ma­to­lo­gie“ ge­mäß den Be­stim­mun­gen der zu­stän­di­gen Ärztekammer.

  • Zu­sätz­lich sind die Qua­li­fi­ka­ti­ons­an­for­de­run­gen für ver­hal­tens­prä­ven­ti­ve Maß­nah­men nach An­la­ge 2 des Kur­arzt­ver­tra­ges von den Ärz­ten zu erfüllen.

  • Die Teil­nah­me am Kur­arzt­ver­trag er­folgt nicht au­to­ma­tisch, son­dern er­for­dert ei­nen schrift­li­chen An­trag bei der zu­stän­di­gen Kas­sen­ärzt­li­chen Ver­ei­ni­gung (KV West­fa­len-Lip­pe bzw. KV Nord­rhein). Die KV ent­schei­det nach Prü­fung über die Zu­las­sung zum Kurarztvertrag. 

  • Mit der Teil­nah­me er­kennt der Arzt die Be­stim­mun­gen des Kur­arzt­ver­tra­ges ver­bind­lich an.

Um­fang der Zulassung 

  • Die Teil­nah­me gilt grund­sätz­lich für den Kur­ort, in dem sich die Pra­xis oder Zweig­pra­xis des Arz­tes befindet.
  • Auf An­trag kann die Ge­neh­mi­gung auf bis zu zwei wei­te­re Kur­or­te er­wei­tert werden.
  • Für die Dau­er der am­bu­lan­ten Vor­sor­ge­leis­tung muss den Gäs­ten ein haupt­ver­ant­wort­li­cher Kur­arzt als An­sprech­part­ner zur Ver­fü­gung stehen.

Son­der­re­ge­lun­gen bei ge­rin­ger Kurarztdichte

  • Ist an ei­nem an­er­kann­ten Kur­ort le­dig­lich ein zu­ge­las­se­ner Kur­arzt tä­tig, kön­nen auf An­trag bis zu drei wei­te­re Ärz­te be­fris­tet am Kur­arzt­ver­trag teilnehmen.
  • Ist kein zu­ge­las­se­ner Kur­arzt am Ort tä­tig, kön­nen bis zu vier Ärz­te be­fris­tet zu­ge­las­sen werden.
  • Die be­fris­te­te Teil­nah­me rich­tet sich ins­be­son­de­re an Ärz­te, die die Zu­satz-Wei­ter­bil­dung „Bal­neo­lo­gie und Me­di­zi­ni­sche Kli­ma­to­lo­gie“ er­wer­ben wol­len und be­reits über Kennt­nis­se der Kur­me­di­zin verfügen.
  • Die be­fris­te­te Zu­las­sung ist grund­sätz­lich auf zwei Jah­re be­schränkt und kann un­ter be­stimm­ten Vor­aus­set­zun­gen ver­län­gert werden.

Ver­tre­tung

  • Kur­ärz­te dür­fen aus­schließ­lich durch ent­spre­chend qua­li­fi­zier­te Ärz­te ver­tre­ten werden.
  • Für Ver­tre­tun­gen gel­ten zu­sätz­lich die Be­stim­mun­gen der je­weils zu­stän­di­gen Kas­sen­ärzt­li­chen Vereinigung.